Desinformation im Internet

Am 22. Juni 2017 war der Gründer und CEO von snopes.com, David Mikkelson im “Amerika Haus Wien” (auf Einladung der Botschaft der USA) zu Gast. Unter dem Titel “Disinformation on the internet” referierte er über die Entwicklung seiner Fact-Check-Site, die er 1994 als Hobby begonnen hatte. Mittlerweile ist snopes.com zu einem der angesehensten Fact-Checker aufgestiegen. Wer Zweifel an einem News-Artikel hat, kann ihn bei snopes.com überprüfen (lassen).

Aus der Einladung:

“David Mikkelson is the co-founder and CEO of Snopes.com, a popular, independent fact-checking website that covers stories of unknown or questionable origin including urban legends, internet rumors, and e-mail forwards. The website is routinely included in annual “Best of the Web” lists and has been the recipient of two Webby awards. David Mikkelson has made multiple appearances on news programs including ABC, BBC, and CNN; his work has been profiled in major news publications such as The New York Times, The Los Angeles Times, The Washington Post, and The Wall Street Journal.”

Bad Information

Dabei wurde die Frage gestellt, was denn nun “bad information” eigentlich sei. Denn nicht jede schlechte Information muss deshalb “Fake News” sein. Schlechte Informationen können auch dadurch entstehen, dass sie einseitig oder ideologisch gefärbt sind, dass sie aus ihrem Kontext gerissen werden und dadurch ihre Bedeutung ändern, oder dass der Journalist nicht sorgfältig und kritisch genug recherchiert hat. Oder eine News wurde ursprünglich als Satire erdacht.

Fake News

Fake News verfolgen oftmals keinen politischen Zweck (wie etwa Falschmeldungen à la Russia Today), sondern sind absurde oder abstruse Schlagzeilen mit Geschichten, die zum Anklicken verleiten (Click Baits) sollen, weil dahinter Werbung kommt, die wiederum nach Clicks abgerechnet wird.

Fake News werden eher als Symptom und weniger als die Krankheit selbst betrachtet. Bei der “Krankheit” handelt es sich demnach in den USA um die politisch-ideologische Polarisierung zwischen Republikanern und Demokraten, die im letzten Präsidentschaftswahlkampf einen Höhepunkt erreicht hat.

Bedenklich stimmte die Aussage, dass Richtigstellungen zu Lügengeschichten oft deutlich weniger oft gelesen, gelikt und geteilt werden als die Lügen selbst. Wie kann man das erklären? News sind zu einem Produkt geworden, das man rund um die Uhr konsumieren kann. Wenn es dem Konsument nun nicht um Information, sondern um Entertainment geht, so ist die Information – ob richtig/wahr oder falsch – nicht relevant. Dazu kommt, dass die Leute lieber das hören oder lesen, was sie in ihren Ansichten, Meinungen und Glauben bestätigt. Selbst wenn sich etwas, das man bereitwillig geglaubt hat, als falsch herausstellt, sind viele nicht leicht bereit, ihre Meinung zu ändern.

Entertainment statt Information

Bei den meisten News geht es nur noch um Sensationen – wie früher bei den Gauklern auf den Jahrmärkten. Man hat ihnen vielleicht nicht alles geglaubt, auch wenn man die Tricks nicht durchschauen konnte. Aber letztlich war das nicht relevant, sondern gute Unterhaltung für den Augenblick.

Heute stellt sich die Frage, was Leute dazu veranlasst, Sensationsmeldungen auf sozialen Medien zu teilen? Warum übernehmen sie Marketingaufgaben (Empfehlungsmarketing) für die Produzenten der Meldungen? Wirklich relevante News werden ohnehin über alle Medien verbreitet. Geht es um die in Social Media eingebauten Feedbacks? (Wer hat mehr Freunde, Followers etc.?)

Auch Fake NEWS sind News, und manchmal sogar die interessanteren G’schichteln. Dann nämlich, wenn News nicht informieren, sondern unterhalten wollen. Natürlich wollen Fake News primär Klicks generieren. Aber das wollen auch seriöse News, und mittlerweile sogar wissenschaftliche Open Access-Artikel. Fake News, also Scheinnachrichten, wollen die Klicks nicht für sich selbst, sondern leiten den intessierten Leser auf Seiten um, die mit den Fake News oft gar nichts zu tun haben (z.B. Internet-Casinos). Aber wenn sie gut erfunden sind, erfüllen sie für viele Leser denselben Zweck wie Krimis. Und sie werden wie alle anderen Trivialitäten des Lebens, mit den “Gleichgesinnten” in den sozialen Netzen geteilt. Dazu braucht es digitale und Medienkompetenz. Erst wenn jemand die Fake News für bare Münze nimmt, also den Unterschied zwischen Schein und Sein nicht mehr erkennt, wird ein Mangel an Informationskompetenz sichtbar.

Warum sind emotionale und/oder anekdotische News soviel ansprechender, überzeugender, wirksamer, glaubwürdiger als Fakten, Statistiken, Zahlen? Wo doch nur letztere die Basis der Wissenschaften bilden.

Alternative Facts, vormals Lügen

Zeitgleich mit Fake News wurde die Weltöffentlichkeit im amerikanischen Wahlkampf 2016 mit Alternative Facts beglückt. Man könnte auch Lügen dazu sagen, die ja genau die Alternative zur Wirklichkeit bilden. Aber während Lügen durchwegs bei allen Menschen schlecht konnotiert sind, erfüllen Notlügen einen guten Zweck: Sie verschleiern oder beschönigen eine unliebsame Wirklichkeit (wie z.B. den Klimawandel). Sie schaffen eine Scheinwelt, in der man sich gemütlich einrichtet, in der man immer recht hat, die vor Veränderungen schützt, zumindest solange, bis sich die Wirklichkeit mit gnadenloser Härte Aufmerksamkeit verschafft. Steht man vor der Wahl rauhe Wirklichkeit (facts) oder selbstverantwortete Unmündigkeit, so entscheiden sich nach wie vor viele Menschen für letztere, gerade so, als hätte es nie eine Aufklärung gegeben. Ignoranz als Reaktion auf eine komplexe Welt voller unbequemer Fakten, die noch dazu immer schwerer zu validieren sind. Manche Medien haben daher bereits das “postfaktische Zeitalter” ausgerufen, in dem Fakten durch empfundene oder gruppenspezifische Wahrheiten (Stichwort “Echokammern” auf den sozialen Medien) ersetzt werden.

Fact Check Sites und Medien-Watchblogs

Wenn Sie an deutschsprachigen (Deutschland, Österreich, Schweiz plus Niederlande) Fake News interessiert sind, empfehlen wir die Seiten von “Mimikama – Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch“. Sie betreiben eine Website unter http://www.mimikama.at/ . Eine der Aufgaben von Mimikama ist es, Falschmeldungen zu entlarven und verdrehte Inhalte klarzustellen, die von Internet-Nutzern gemeldet werden.

Für alle, die generell an Gerüchten (und deren Aufklärung) interessiert sind, sei die Hoaxmap (http://hoaxmap.org/) empfohlen. “Hoaxmap ist aus dem Wunsch entstanden, eine Ordnung in die Vielzahl gestreuter Gerüchte zu bringen und die Dekonstruktion selbiger zu erleichtern. Sämtliche “Auflösungen” sind etablierten Medien entnommen und verlinkt.

Aus Österreich kommen zwei Onlineplattformen, die über die Medienbranche berichten:
Kobuk” (https://www.kobuk.at/) ist ein Medienwatchblog von Studierenden der Lehrveranstaltung „Multimedia-Journalismus“ am Publizistikinstitut der Uni Wien.

Dossier” (https://www.dossier.at/) ist Mitglied des Global Investigative Journalism Network.

Von Deutschland aus betreibt “CORRECTIV – Recherchen für die Gesellschaft” ein gemeinnütziges Recherchezentrum (https://correctiv.org/).

Als Kontrapunkt zum US-amerikanischen Medien-Portal “Breitbart News Network” versteht sich das “Schmalbart Network” (https://www.schmalbart.de/). Nach eigener Definition “geht es um Versachlichung und Klärung, um saubere Diskussion und Streit um Standpunkte. Wir wollen aber auch Grenzen ziehen, wenn Unwahrheiten und Verdrehungen oder gar Fälschungen verbreitet werden. Volksverhetzung, Rassismus, Antisemitismus und jede andere Art von Menschenfeindlichkeit werden wir bekämpfen.

Um der Verbreitung von Fake News im Internet Einhalt zu gebieten, werden nun auch Facebook und Google aktiv. Ein Team von Faktencheckern (u.a. Snopes.com und factcheck.org) soll sich um Falschmeldungen kümmern. Facebook hat hier besonderen Handlungsbedarf, um nicht als Gerüchteschleuder und Hassplattform in Verruf zu geraten. Bei Google geht es um die Qualität der immer häufiger personalisierten News. Denn Seiten können so adaptiert werden, dass die Google-Suchalgorithmen darauf hereinfallen.

Zum Abschluss ein Video von Factcheck.org: “How to Spot Fake News”

Wir freuen uns über Ihren Kommentar, entweder gleich anschließend mit der Kommentar-Funktion oder per eMail mit dem Kontaktformular.

Leave a Comment