Desinformation – made by ÖGDI

ÖGDI-Mitglieder berichten von einem Rundmail ihres Obmannes (vom 23.12.2017), das auch der Redaktion vorliegt und in dem sich dieser in der Verbreitung von Desinformation (sog. “Andeutungen”) übt.

 

Definition von Desinformation

Desinformation ist “eine absichtlich falsche oder irreführende Information, die in einer berechnenden Weise verbreitet wird, um Zielgruppen zu täuschen.” Der Begriff ist eine Übersetzung eines russischen Wortes, das als ‘dezinformatsiya’ transliteriert wurde.

Im Gegensatz dazu wird der Begriff ‘Mis- oder Fehlinformation’ verwendet, wenn unabsichtlich irreführendes oder falsches Material verbreitet wird.

Dazwischen liegt der Begriff der ‘bad information’. Schlechte Informationen können dadurch entstehen, dass sie einseitig oder ideologisch gefärbt sind, dass sie aus ihrem Kontext gerissen werden und dadurch ihre Bedeutung ändern, oder dass sie nicht sorgfältig und kritisch genug recherchiert wurden. Oder sie waren ursprünglich als Satire erdacht.

Die Absicht dahinter macht also den Unterschied.

 

Analyse

(1) Gleich in der Einleitung weiß der Obmann “von den seit Jahren schwelenden Konflikten hinter den Kulissen (Vorstand vs. Huemer)”.

Aufgetretene Konflikte innerhalb des Vorstands (dem Huemer als Kassier bis 2012 angehörte) sowie mit dem neuen Obmann (sic!) hatten fast ausnahmslos dieselbe Ursache, nämlich ungerechtfertigte Spesenrechnungen. Darin “schwelende” Konflikte zu erkennen ist wohl der Distanz zwischen Linz und Wien geschuldet.

(2) Um Verwechslungen beim Namen “Huemer” auszuschließen, wird dazu näher erläutert, welcher Huemer gemeint ist, nämlich der, “der seit längerem einen eigenen Konkurrenzverein aufzubauen versucht”.

Damit kann nur die “Gesellschaft für Informationskompetenz und Informationsinfrastruktur” gemeint sein, die im April 2017 gegründet wurde. Ein Blick in die Statuten oder ins Impressum der Website von IICIIS hätte genügt, um zu erkennen, dass es dabei um die Förderung von Informationskompetenz, aber nicht um die “Österreichische Berufsvertretung der I&D-Dienstleister” (siehe ÖGDI-Website) geht. Hier ein Konkurrenzverhältnis hineinzukonstruieren, bedarf schon einer gewissen Paranoia.

(3) Richtig spannend wird es, wenn “von der rasanten finanziellen Talfahrt (=Finanzierung des laufenden Betriebs zum Großteil über das Sparbuch)” die Rede ist.

Um die “börsenmäßige” Wortwahl etwas zu relativieren, mögen die Fakten in folgender Abbildung sprechen:

Kassastände
Kassastände 2001-2016

Zu den Details: Die “Talfahrt” von 2012 stellt das Projekt “Chronik der ÖGDI” dar. Die “Talfahrt” von 2014 stellt einen Werkvertrag dar, der vorfinanziert wurde und 2015 mit 15.000 € Einnahmen abgegolten wurde. Somit entpuppt sich die sogenannte “Talfahrt” als gesteigerte Vereinsaktivität, die im wesentlichen durch die Beschäftigung von Personal ermöglicht wurde. Davon abgesehen wurde die Reduzierung der Barmittel, die natürlich auf einem (besser verzinsten) Sparbuch verwahrt wurden, immer wieder (a) von der Generalversammlung eingefordert, (b) von den Rechnungsprüfern geprüft und für in Ordnung befunden.

(4) Neben Huemer finden sich weitere “Schuldige” für das “Bauchweh” des Obmanns: “die Wiener Vereinsbehörde als auch die Bank Austria”, … “aber auch der Host”. Zum Glück – so wird insinuiert – konnte “der alte Vorstand mit Herrn Huemer kurz nach der Generalversammlung eine einvernehmliche Lösung des Dienstverhältnisses erreichen”.

Faktum ist, dass H. Huemer kein Interesse mehr hatte, seine geringfügige Beschäftigung (395 €/Monat) über das Ende der Funktionsperiode des alten Vorstands hinaus zu verlängern, da auch die Präsidentin und der Vizepräsident nicht mehr für eine weitere Periode zur Verfügung stehen wollten.

(5) Frei erfunden ist die Behauptung “doch Herr Huemer (aber auch der Host) zeigten sich bei der Übergabe eher unkooperativ”.

Die Übergabe erfolgte nach den Vorgaben der Alt-Präsidentin und bestand darin, dass die ÖGDI-Besitztümer von dem von Huemer auf eigene Kosten angemieteten Lagerraum von der Präsidentin und einem Rechnungsprüfer übernommen und abtransportiert wurden. Damit war eine langjährige Kooperation beendet.

(6) Nur scheinbar richtig ist, dass “die Kontrolle über das WWW der ÖGDI wieder errungen werden konnte”.

Tatsächlich wurde erst am 15. November 2017 der erste neue Eintrag seit der Generalversammlung (im Mai 2017) publiziert. Wie der ÖGDI-Website zu entnehmen ist [Stand 25.01.2018], handelt es sich bei den neuen Einträgen weitgehend um “Werbung” für die Uni Linz.

Obwohl sich ein vom neuen Obmann beauftragter “Doktorand an der JKU Linz” bereit erklärt hat, “auf (sehr bescheidener) Honorarbasis für die ÖGDI tätig zu sein und sich vor allem um das WWW zu kümmern”, war er bis heute (25. Jänner 2018) nicht in der Lage, wenigstens die Seite mit den alten Funktionären oder das Impressum mit der Kontaktadresse zu aktualisieren.

Durch diesen Verzug werden die wahren Verantwortlichkeiten verschleiert. Diese kann man derzeit nur im Vereinsregister recherchieren.

(7) Eine weitere Attacke richtet sich gegen die über 60 Jahre gewachsenen Statuten. “Eine erste kritische Sichtung der Vereinsstatuten inkl. Geschäftsordnung, ich danke hier vor allem Michael Strähle, zeigte eine ungeheure Machtstellung des Generalsekretärs, und ein förmliches Zelebrieren von Bürokratie.”

Faktum ist jedoch, dass der Generalsekretär kein Organ, sondern bloß eine Kann-Bestimmung in den Statuten ist. § 10 Abs. 3 lit. a der ÖGDI-Statuten enthält den einzigen Hinweis auf den Generalsekretär:

“Zur Fertigung der laufenden administrativen Geschäfte kann der Obmann einen Generalsekretär ermächtigen. Näheres regelt die Geschäftsordnung.”

Die Geschäftsordnung regelt dazu folgendes:

“Der Generalsekretär ist u.a. zuständig für
a) die interne und externe Kommunikation und Korrespondenz,
b) die Führung des Mitgliederverzeichnisses und die Dokumentation, sowie
c) die Aufzeichnung der laufenden Geschäftsfälle (Einnahmen-/Ausgabenrechnung).”

Wie sich aus diesen Aufgaben “eine ungeheure Machtstellung des Generalsekretärs” konstruieren lässt, bleibt im Wirrwarr der Desinformationen unbeantwortet. Dessen ungeachtet scheint man in der ÖGDI-Führung überzeugt zu sein, durch die Überarbeitung der Statuten als ersten Schritt “für neue und junge Mitglieder attraktiver zu werden”. Vielmehr drängt sich die Frage auf, ob diese ÖGDI noch für irgendjemanden attraktiv ist außer für jene, die gerade ihre Hände in der Kassa haben.

Der Rest des Schreibens hat keine über den Mitgliederbereich der ÖGDI hinausreichende Relevanz.

 

Conclusio

Die Konstruktion von Konflikten in Desinformationen bildet einen Vorwand, sich einmischen zu dürfen, auch wenn man keine eigenen Kompetenzen vorzuweisen hat.

Konkurrenz wird immer dann gutgeheißen, wenn man sich überlegen fühlt. Wenn man sich hingegen überfordert fühlt, wird jeder Erfolg der anderen als Bedrohung empfunden und folglich diskreditiert oder desavouiert.

Soweit bekannt, gibt es auch 9 Monate nach der Vorstandswahl 2017 in der ÖGDI noch immer kein Budget und kein Programm, wie die sich “auf rasanter finanzieller Talfahrt” befindlichen 12.516 Euro (Kassastand Mai 2017) verwendet werden sollen (wenn man vom Dissertanten-Seminar des Obmannes absieht). Die diesjährige ODOK findet zum ersten Mal in ihrer Geschichte ohne die ÖGDI statt.

Name-Dropping ist ebenso wie die Verwendung von Kampf-Rhethorik ein beliebtes Stil-Mittel in Desinformationen, um den Eindruck von “Rauch” zu erzeugen, wo es definitiv KEIN Feuer gibt. Wenn die Faktenlage für konkrete Anschuldigungen nicht reicht, werden mit “Andeutungen” Gerüchte in Umlauf gebracht, die oft nur schwer zu entkräften sind, da sie ja auch nicht verifizierbar sind.

Wenn das Wort “ermächtigen” die Assoziation mit einer “ungeheuren Machtstellung” auslöst, lässt das nicht gerade auf sinnerfassendes Lesen schließen. Oder aber es besteht ein Aufmerksamkeitsdefizit beim Umgang mit komplexen Texten, das zu allerlei Missverständnissen und Fehlinterpretationen führen kann.

Um welche Art von “Bad information/Desinformation/Misinformation” es sich bei der Weihnachtsbotschaft des ÖGDI-Obmannes letztlich handelt, können nur deren Empfänger beurteilen. Dieses Beispiel zeigt aber, wie wichtig Informationskompetenz ist. Informationskompetenz beschreibt nicht nur den gekonnten Umgang mit Information und deren Bewertung, sondern auch den korrekten Umgang mit Kommunikationstechniken und Medien, vor allem dann, wenn man selber Informationen produziert und verbreitet.

Nicht nur Medien – meist solche, die antidemokratischen Ideologien nahestehen – haben sich auf die Verbreitung von Desinformationen spezialisiert. Als ihre Gegenspieler treten Fact Checker auf, die versuchen, die Lügen zu entlarven und die Beweggründe aufzudecken. Bedenklich stimmt allerdings, dass Richtigstellungen zu Lügengeschichten oft deutlich weniger oft gelesen, gelikt und geteilt werden als die Lügen selbst.

Und so dürfte das “Bauchweh” des ÖGDI-Obmanns wohl noch länger anhalten, da man Bauchweh bekanntlich nicht mit Desinformation, Lügengeschichten und wirren Appellen heilen kann.

2 Thoughts to “Desinformation – made by ÖGDI”

  1. Hermann Huemer

    Am 18. Jänner 2018 wurde eine SPAM-Mail über die Adresse Gerhard.Froehlich@jku.at an meine private Mailbox verschickt. Ich habe diese Post weder abonniert, noch habe ich meine Zustimmung erteilt, dass ich sie erhalten möchte.
    Diesem Herrn sei folgendes Gesetz empfohlen:
    “Gemäß § 107 Abs 2 Telekommunikationsgesetz (TKG) ist die Zusendung elektronischer Post (zB Newsletter) an Verbraucher ohne vorherige Einwilligung des Empfängers grundsätzlich unzulässig, wenn die Zusendung zu Zwecken der Direktwerbung oder an mehr als 50 Empfänger gerichtet ist.”

  2. Prof. Mag. Gerhard Silvestri

    Danke für die Klärung und Richtigstellung Als Ehrenmitglied und ältestes Mitglied (an Alter und Dauer) bin ich bestürzt über diese Vorgänge. Ich fürchte um die Zukunft der ÖGDI.

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