Steve Patriarca

Mitbegründer und stellvertretender Vorsitzender von IKIS

Als Gründer und stellvertretender Vorsitzender von IKIS, aber auch mit meinem Hintergrund als Lehrer, Schulleiter und internationaler Schulberater habe ich eine enge Beziehung zur Informationskompetenz. Ich sehe Informationskompetenz als fächerübergreifendes, interdisziplinäres Fach, das noch in den Kinderschuhen steckt, sowohl an Schulen als auch an Hochschulen. In vielen Institutionen wird es von Bibliothekaren oder Lehrern geleitet, beinhaltet aber kein Verständnis der zentralen Fragen der Erkenntnistheorie. Ich möchte mich darauf konzentrieren, wie Informationen zu Wissen werden können und welche Fähigkeiten in diesem Prozess involviert sind.

In 40 Jahren Lehre und später Leitung oder Beratung von Schulen lag mein Hauptaugenmerk nicht nur auf der Vermittlung von Wissen, sondern auch auf der noch wichtigeren Fähigkeit des Urteilens. Als Lehrer der englischen Literatur war ich davon überzeugt im Sinne von F. R. Leavis, dass Englisch eine Disziplin des Denkens ist – ein lebendes Prinzip. Später kämpfte ich für Philosophie als Unterrichtsfach an englischen Schulen und arbeitete ich mit dem Prüfungsausschuss an einem Lehrplan und an den A-Level-Fragen. Ich wurde Mitglied des Rates des Royal Institute of Philosophy und arbeitete mit dem Institut, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit der philosophischen Alphabetisierung zu wecken.

Ich war immer an Politik interessiert und zu verschiedenen Zeiten in meiner Karriere auch unmittelbar involviert. Ich glaube sehr stark, dass die offene Gesellschaft und die liberale Demokratie auf einer gebildeten Öffentlichkeit beruhen. Viele westliche Demokratien haben sich in Richtung “direkter Demokratie”, Volksabstimmungen und das Delegieren von Macht an das Volk entwickelt, ohne die erforderlichen Fortschritte in der Bildung zu erzielen – nicht zuletzt in der Informationskompetenz. Ich glaube, dass die liberale Demokratie von keiner bestimmten politischen Partei oder gar  Ideologie beansprucht werden kann. Vielmehr sollten stets alle politischen Ansprüche nach den Kriterien des guten Urteilens (“good judgement”) hinterfragt werden.

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