Social Media im Dienste der Desinformation

Quelle: Wie die FPÖ und ihr Umfeld online kritische Journalisten angreifen (derStandard.at vom 8. Februar 2018)

Medienkompetent ist, wer fähig ist, unterschiedliche Medien effektiv (also nutzenbringend) für seine Informationsbeschaffung zu nützen. Doch wird es täglich schwieriger, sich objektiv und faktenbasiert zu informieren.

Der oben verlinkte Artikel zeigt, wie nun Praktiken der extremrechten Opposition Usus im täglichen Politgeschäft werden. Auch wenn es nicht die obersten Funktionäre selbst praktizieren, so sind es doch deren Handlanger und willigen Erfüllungsgehilfen, die Desinformationen, Hasspostings etc. in Umlauf bringen, mit Wohlwollen oder zumimdest Wegschauen der Bosse und unterstützt mit deren Inseraten.

Sobald die Gerüchte und Lügen genug Noise über die Social Media-Kanäle erzeugen, werden sie von einschlägigen Online-Plattformen aufgegriffen und journalistisch-propagandistisch aufbereitet. Dadurch werden sie über den ursprünglichen Empfängerkreis hinaus zugänglich und noch stärker als zuvor in den Social Media geteilt. Zugleich lösen sie weitere Gerüchte und Verunglimpfungen bis hin zu Hass-Postings aus. Aber auch die Versuche, gegen die Lügen anzuschreiben, tragen zu deren weiteren Verbreitung bei. Außerdem dienen sie als Vorwand für wehleidige oder beleidigte Kommentare (nicht selten mit Einschüchterungsversuchen, Denunzierung und Drohungen verbunden), die diese Spirale immer weiter drehen.

Die Infrastruktur (Internetforen, Online-Zeitungen, Fangemeinden, bis hin zur Troll-Armee) wurde über die Jahre und unter dem Radar einer breiteren öffentlichen Wahrnehmung aufgebaut; nicht nur im “bösen” Russland, sondern überall, wo das Wirtschaftssystem Wohlstandsverlierer produziert, die mit einfachen Slogans und simplen “Wahrheiten” für solche Ziele begeistert werden können.

FPÖ-nahe Plattformen und Organisationen:
https://www.unzensuriert.at/
https://www.wochenblick.at/
https://info-direkt.eu/
Ring Freiheitlicher Jugend RFJ
Ring Freiheitlicher Studenten RFS

Das DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes) kann die guten Kontakte zum prorussischen Rechtsextremismus belegen:

… die esoterische Fähigkeit, hinter die Kulissen blicken zu können, zieht sich tatsächlich wie ein brauner Faden durch jedes der bisher erschienenen Hefte. Neben dem (antiamerikanischen und antisemitischen) Verschwörungsmythos ergeht sich Info Direkt in Huldigungen Wladimir Putins…

Die Früchte der Desinformationskampagnen werden überall dort geerntet, wo rechtsextreme Parteien wählbar oder sogar koalitions- oder mehrheitsfähig werden. Zuerst wird das Vertrauen in die etablierten Medien, Institutionen und Systeme geschwächt. Dann werden sie finanziell geschwächt. Und ehe man sich versieht, verschwinden sie von der Bildfläche. Dann waren sie “der Konkurrenz nicht mehr gewachsen” oder “konnten sich nicht an die neuen Zeiten anpassen”.

Ähnliches spielt sich auf der persönlichen Ebene ab. Zuerst verliert man “seinen” Job, nicht immer aus eigenem Verschulden. Dann findet man keinen neuen Job. Dafür geben sich die meisten sehr wohl selbst die Schuld. Im nächsten Schritt wird man als “Durchschummler” denunziert. Schließlich verliert man das Vertrauen in sich selbst und in die staatlichen Systeme und wird leichte Beute der modernen Rattenfänger. Denn mit der Zugehörigkeit zum “richtigen” Rattenfänger kann man das angekratzte Selbstwertgefühl wieder aufbauen, wenngleich allzu oft auf Kosten von noch Schwächeren.

One Thought to “Social Media im Dienste der Desinformation”

  1. […] russlandfreundliche österreichische Medien haben wir in unserem Blog “Social Media im Dienste der Desinformation” […]

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